Der Ort
Der Ort Maria Saal - eingebettet zwischen Ulrichsberg, dem Maria Saaler Berg und dem Magdalensberg – liegt im Zollfeld, welches durch viele Jahrhunderte die politische, kulturelle und religiöse Mitte Kärntens war. Diese Region wies bereits in frühgeschichtlicher Zeit eine dichte Besiedelung auf, so befand sich zum Beispiel auf dem Maria Saaler Berg eine urgeschichtliche Wallburg. Nach der Besiedelung durch Veneter, Illyrer und Kelten folgten schließlich die Römer, die nördlich von Maria Saal, in der Nähe des heutigen Dorfes Arndorf, die Provinzhauptstadt Claudium Virunum anlegten. Spätestens ab 343 n. Chr. gab es in Virunum auch einen Bischofssitz mit entsprechender Diözese, doch in den Wirren der Völkerwanderung schwand zunehmend die Bedeutung der Stadt im Zollfeld zu Gunsten der Siedlung Teurnia in der Nähe des heutigen Spittal/Drau. Ab ca. 750 erfolgte – ausgehend vom Salzburger Bischof Virgil – eine zweite Christianisierung unseres Gebietes. Er war es, der den iroschottischen Chorbischof Modestus nach Maria Saal entsandte. Dieser errichtete hier die erste Marienkirche und nahm seine Arbeit auf. Bis ins Jahr 945 war Maria Saal Bischofssitz, danach erfolgte die Verwaltung wieder von Salzburg aus, bis schließlich im Jahre 1072 mit Gunther von Krappfeld wieder ein Bischof für dieses Gebiet geweiht und eingesetzt wurde. Die Zuteilung einer eigenen Diözese erfolgte allerdings erst im Jahre 1131.
Auch nach dieser Zeit blieb Maria Saal – ausgestattet mit einer Klerikergemeinschaft und einem Probst – religiöses Zentrum des Landes und entwickelte sich mehr und mehr zu einem bedeutenden Marienwallfahrtsort. Im 13. Jahrhundert wurde die aus der Zeit des Chorbischof Modestus stammende Kirche durch eine romanische Steinkirche ersetzt, schließlich begann man um 1430 mit dem Bau der heutigen, spätgotischen Kirche. Die Bauzeit betrug rund 30 Jahre, um 1470 musste die Kirche dann wegen der Türkeneinfälle zur Wehranlage ausgebaut werden, 1482 erfolgte eine Belagerung durch ungarische Söldner, die allerdings erfolglos von dannen ziehen mussten. Nach dem verheerenden Brand im Jahr 1669, dem das Dach, die Türme und der Hochaltar zum Opfer fielen, erfolgte der Wiederaufbau. Mit mehr als 210.000 Steinplatten wurde 1678 die Kirche neu eingedeckt, 1688 wurde die Maria Saalerin gegossen – mit ihrem Gewicht von 6.600 kg war sie über viele Jahre die größte Glocke Österreichs. Um 1700 erfolgte auch der Zubau der beiden Kapellen und der Sakristei an der Südseite der Kirche, schließlich wurde im Jahr 1714 der Hochaltar – im Zentrum steht die gotische Gnadenstatue aus dem Jahr 1425 – von Clemens Ferdinand Graf Kaiserstein und seiner Gemahlin gestiftet. Die großartige Barockorgel, gebaut vom wandernden Orgelbauer Johann Martin Jäger, stammt aus dem Jahr 1735. Man halte sich in diesem Zusammenhang vor Augen, dass zur selben Zeit J.S. Bach als Thomaskantor in der Leipziger Thomaskirche tätig war – zumindest theoretisch hätte also der große Meister auch hier in unserer wunderbaren Marienkirche auf einer seiner Reisen Station gemacht haben können, um dieses wunderbare Instrument zu spielen.
Maria Saal war und ist ein Ort mit einer besonderen Ausstrahlung, ein Ort der Kraft, ein Ort der Kirche und ganz besonders auch ein Ort der Kultur. Dies belegen nicht nur die Geschichtsbücher, sondern auch die Menschen, die in ihren musikalischen und literarischen Werken einen Bezug zu Maria Saal herstellen. Besonders ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Maria Saal durch das Wirken des Gerhard Lampersberg und seiner Frau Maja auf ihrem Maria Saaler Tonhof gleichsam zu einer Begegnungstätte von Künstlern der verschiedensten Genres. Im Besonderen seien hier erwähnt: Thomas Bernhard, H.C. Artmann, Peter Turrini, Gerd Jonke, Peter Handke, Christine Lavant und Wolfgang Bauer. Und auch wenn es in den vergangenen Jahrzehnten hier in diesem Ort wahrlich ruhig geworden ist bin ich fest davon überzeugt, dass Maria Saal wieder zu einem Zentrum werden kann – im Interesse der hier lebenden Menschen zu einem Zentrum werden soll. Nicht zu einem Fremdenverkehrszentrum, nicht zu einem Touristenmagnet – sondern zu dem, was er über viele Jahrhunderte unbestritten war: Ein Ort der Begegnung, ein Ort der Kultur. Unser Projekt KULTUR.RAUM.KIRCHE soll dazu beitragen, diese Vision Realität werden zu lassen. In der Hoffnung darauf, dass wir die dafür notwendige Unterstützung erhalten werden und der KULTUR.RAUM.KIRCHE eines nicht zu fernen Tages um den KULTUR.RAUM.DORF erweitert wird ….
Für den Verein KULTUR.RAUM.KIRCHE Stefan Schweiger, Obmann
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